Neue Wege des Talentmanagements in der Digitalisierung

“Die Mitarbeiter einer Firma sind ihr größtes Kapital […].“

Die wohl meist zitierte Aussage Richard Bransons[1] scheint aktueller denn je, dabei postulierte Peter Drucker bereits vor 60 Jahren die Bedeutung des Mitarbeiters als wichtigste Ressource des Unternehmens und formte den Begriff der Wissensarbeiter. Wichtig ist heute jedoch nicht nur die richtigen Leute einzustellen, sondern auch einen Raum der Entwicklung zu ermöglichen. Dabei ist für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, eine Übereinstimmung der Motivation, Werte und Ziele eines Mitarbeiters und der des Unternehmens von besonderer Bedeutung.

Das Talentmanagement, als Zweig des Human Ressource Managements, verfolgt eben dieses Ziel – eine permanente Harmonisierung der Marktanforderungen an das Unternehmen mit den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter. Die fortschreitende Digitalisierung und mit ihr einhergehend eine Dynamisierung der Märkte, üben einen steigenden Druck auf die Unternehmen aus und fordern ein Umdenken im klassischen HR-Management. Die Entwicklung zum technologieaffinen, kreativen Bereich löst den Fokus der reinen Verwaltung als Kernaufgabe der Personalabteilung ab und öffnet sich neuen Formen der Mitarbeiterförderung und Führungskräfte-Qualifizierung. 

Unsere Arbeitswelt ist komplexer und schnelllebiger geworden. Der Fortschritt allerdings ist nicht allein technologiegetrieben – zugführend sind Mitarbeiter und Führungskräfte – Menschen. Insbesondere Querdenker mit unangepassten Persönlichkeiten und ausgeprägten Stärken und Schwächen, haben dabei das Potential ganze Organisationen voranzubringen.  Der Schlüssel zur Potentialentfaltung liegt darin, Neues zu wagen und Altes hinter sich zu lassen, sich von einer Idee verabschieden zu können und auch Scheitern in Kauf zu nehmen. Und das wiederkehrend unter dem Fokus der kontinuierlichen Verbesserung. 

QUANTIC Digital

Dazu braucht es eine offene Unternehmenskultur und mutige Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern die entsprechenden Räume schaffen und eine aktive Fehlerkultur vorleben, in der auch Experimente möglich sind. So kann Innovation gelingen und ein besseres Reagieren auf unvorhergesehene Veränderungen realisiert werden.  

Doch auf welche Anforderungen kommt es dabei insbesondere an?

  • Das Talentmanagement von morgen setzt auf Agilität und Innovation. Gefördert werden innovative und kreative Karrierepfade abseits der Konformität. 

  • Eine offene, zugewandte Kommunikation innerhalb des Unternehmens fördert und fordert das Querdenken der Mitarbeiter und profitiert von unkonventionellen Perspektiven.  

  • Um eine entsprechende Führungskultur aufzubauen, gilt es eine neue Generation von Führungskräften auszubilden, die neue Wege der Mitarbeiterführung mutig beschreiten. 

  • Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der Personalentwicklung ist die Ausprägung eines sogenannten T-Shape-Profils: Fachspezifische Kenntnisse in der Tiefe – ja, aber ebenso wichtig sind ein breites, horizontales Interessenfeld über die eigenen Disziplinen hinaus und soziale sowie interkulturelle Kompetenz.  

  • Um dies zu gewährleisten, nutzt das Talentmanagement digitale Tools, die ein kontinuierliches Lernen und eine flüssige Kommunikation ermöglichen. 

  • Talentmanagement schafft neue Wege der Kollaboration. Die Vielschichtigkeit aktueller Arbeitsanforderungen verlangt nach crossfunktionalen Teams. Starre Rollenbilder werden aufgelöst und weichen einem, an dem Projektziel ausgerichteten, Skillpool der einzelnen Teammitglieder. 

  • Diese Skills (Fähigkeiten) gilt es zu entdecken und zu entwickeln. Dafür braucht es die Konfrontation mit immer wieder neuen Herausforderungen und Raum zur Selbstreflexion. Zum einen spielt in diesem Zusammenhang individuelles Coaching eine immer wichtiger werdende Rolle, aber auch der aktive Austausch untereinander in Form von Peer-Reviews mit Hilfe von teamexterner Beurteilung oder Retrospektiven (teamintern) birgt großes Entwicklungspotential. 

Nicht zuletzt setzt das Talentmanagement der Zukunft auf die Mitgestaltung durch die Mitarbeiter. Nur durch eine Unterstützung der Selbstwirksamkeit und Selbstorganisation werden nachhaltige Entwicklungen ermöglicht.

„VUCA“  meistern durch die Kernkompetenz Resilienz

Märkte, Kunden und auch Mitarbeiter verändern sich durch die Digitalisierung immer schneller. Der Fachbegriff „VUCA” beschreibt dabei die Herausforderungen, denen sich Unternehmen zunehmend stellen müssen: Volatil (Schwankend), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit). Resilienz stellt in diesem Zusammenhang eine Kernkompetenz dar. Resilienz oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen erfolgreich zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit anderen Worten: Aus Fehlern lernen und nicht den Kopf in den Sand stecken! Zukunft lässt sich nur aktiv und konstruktiv gestalten. An dieser Stelle ist sich ein zukunftsorientiertes Talentmanagement seiner Verantwortung bewusst und fördert gezielt die innere Stärke der Mitarbeiter und Führungskräfte.

So gelingt ein nachhaltiger Change Prozess im Talentmanagement

Das an die Digitalisierung angepasste Talentmanagement stellt den Mitarbeiter in den Mittelpunkt des Wandels. Es konzentriert sich auf die Entwicklung universeller als auch spezieller Skills gebettet in eine entsprechende Führungskultur. Hierfür werden Räume geschaffen, die Experimente zulassen und einer gelebten Fehlerkultur mit Mut zum Scheitern Vorschub leisten. Weiterentwicklung findet durch individuelles Coaching auf der Teamebene statt, aber auch durch das Etablieren von Peer-Reviews und dem Schaffen von Freiraum zur entsprechenden Selbstreflexion. Damit ist das Talentmanagement ganz nah am Mitarbeiter und erlaubt eine aktive Mitgestaltung.


 
 

[1] Der britische Unternehmer Sir Richard Branson ist Gründer der Firmengruppe Virgin, die Firmen in der Schallplatten-, TV-, Video- und Filmproduktion, sowie entsprechende Studios, Buchhandlungen, Reise- und Immobilienagenturen umfasst und gehört zu den erfolgreichsten Managern der Welt.

Bildquelle Artikelfoto: www.pixabay.com