DRP™-Modell: Mitarbeiter integrieren und befähigen (3/5)

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Das auf Marktstudien und der Analyse von Digitalisierungsprojekten basierende DRP™-Modell hilft Ihnen dabei, die wichtigsten Stellschrauben auf dem Weg zur Digitalisierung Ihres Unternehmens und konkrete Handlungsschritte auf fünf verschiedenen Ebenen zu identifizieren. Diese sind: Führung, Fundamente, Mitarbeiter, Umfeld, Agilisierung. Als Werkzeug zur Nachsteuerung der fünf Ebenen dient die Retrospektive.

Die beiden ersten Dimensionen Führung und Fundamente haben wir in vergangenen Artikeln bereits vorgestellt, sodass wir uns in diesem Artikel der Ebene 3 – dem Bereich der Mitarbeiter widmen.

Die Mitarbeiter sind die Wichtigste Ressource auf dem Weg zur digitalen Transformation

Eine der Herausforderungen der Digitalisierung ist es, diesen großen und oft nicht greifbaren Begriff für das eigene Unternehmen zu definieren und aus der eigenen Perspektiven zu realisieren. Die Mitarbeiter haben für diese beiden Problemstellungen oftmals bereits konkrete Vorschläge, denn sie stehen nah an den Kunden, verwalten Vorgänge oder betreuen Prozesse. Sie wissen z. B. sehr genau, welche Probleme der Kunde aktuell hat oder welche unternehmensinternen Prozesse zu umständlich sind. Unternehmen verpassen es aber oft, sich dieses Wissen zunutze zu machen.

Ergebnisse aus Mitarbeiterumfragen des letzten Jahres basierend auf dem DRP™-Modell zeigen, dass die Motivation der Mitarbeiter, die Digitalisierung des Unternehmens mitzugestalten, sehr hoch ist. Im Schnitt haben 86 % der Mitarbeiter Interesse daran, das Unternehmen z. B. mit dem Erlernen und Anwenden neuer Methoden oder dem Testen von neuer Software zu unterstützen. Jedoch zeigt sich in der Gegenüberstellung, dass es über die Hälfte der Befragten an Rückhalt in der eigenen Abteilung fehlt, wenn sie an innovativen Ideen arbeiten wollen, oder an Zeit mangelt, sich neue Methoden in Weiterbildungen anzueignen.

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Die wichtigsten Werkzeuge für Mitarbeiter in der digitalen Transformation

  1. Digital Change Days für Klarheit und Transparenz über Digitalisierung anbieten

  2. Austauschplattformen von und für Mitarbeiter einrichten

  3. Digitale Mitgestaltung motivieren und fördern

  4. Zeit und Ressourcen für Innovation zur Verfügung stellen

  5. Neues Methoden-Know-how on-the-Job vermitteln

  6. Vertrauens- und Kreativkultur nachhaltig aufbauen

Wie können sie ihre Mitarbeiter für die digitalisierung befähigen?

Inwieweit haben Ihre Mitarbeiter die Möglichkeit, Digitalisierung im Unternehmen umzusetzen? Dies lässt sich an folgendem praktischen Beispiel verdeutlichen. In einem Unternehmen wurde durch einen Mitarbeiter eine App für die Einsatzplanung von Technikern entwickelt. Der betroffene Prozess war in dem Unternehmen bisher nicht digital abgebildet. Schnell hat sich die App unter den Mitarbeitern verbreitet und wurde rege eingesetzt. Das pragmatische Vorgehen des Innovators stoß jedoch auf mangelnde Flexibilität im Unternehmen.

Nun hatte das Unternehmen die Wahl, die Innovation des Mitarbeiters strikt zu unterbinden, d. h. die App nicht in die eigenen Systeme zu integrieren und dem Mitarbeiter keine Hilfestellung anzubieten, seine Idee innerhalb des Unternehmens umzusetzen. Die andere Wahlmöglichkeit des Unternehmens war es, die kreative Energie des Mitarbeiters in die richtigen Bahnen zu lenken und ihm Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Nun können Sie sich die Frage stellen: Wie hätte sich Ihr Unternehmen entschieden?

Das können Sie tun

1 Organisieren Sie einen Digital Change Day
Wie es im Artikel Führung bereits erwähnt wird: Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter auf der Reise zum digitalisierten Unternehmen mit und bauen Sie Sorgen und Widerstände ab. Ein Digital Change Day lädt alle Mitarbeiter dazu ein, sich mit der digitalen Agenda des Unternehmens auseinanderzusetzen und die Bedeutung für die eigene Arbeit und für sich selbst zu reflektieren. Gerade die praktische Umsetzung und mögliche Hindernisse bei der Umsetzung der Digitalisierung können in diesem Rahmen diskutiert werden.

2 Schaffen Sie Austauschplattformen für Ihre Mitarbeiter
Sie glauben gar nicht, welche Informationen Ihren Mitarbeitern nicht vorliegen. Egal ob es intelligente Werkzeuge im Intranet, zeitsparende Methoden oder sogar Design-Thinking-Räume sind, von denen alle Mitarbeiter wissen, dass es sie gibt und wie sie diese benutzen bzw. buchen können. Oftmals scheitert der Einsatz von vorhandenen Mitteln an der nicht vorliegenden Information. Schaffen Sie eine regelmäßige Austauschplattform sowohl analog und digital, bei der die aktuelle Umsetzung von Projekten diskutiert und nach neuen Lösungswegen gesucht werden kann.

3 Fördern Sie den Wissensaustausch auf dieser Plattform
Unternehmen, die bereits einen Vorsprung auf ihrem digitalen Weg haben, entsenden oftmals Mitarbeiter auf Schulungen mit der Maßgabe, nach Rückkehr ihr Wissen intern zu teilen. Meist reichen da kurze Zusammenfassungen der wichtigsten Punkte. Können Mitarbeiter dieses Wissen gepaart durch den Einsatz praxisnaher Methoden und Bearbeitung von work cases den Transfer auf den Arbeitsalltag sichern, wird die Wissensauffrischung nicht als lästig angesehen und führt zu positiven Mitnahmeeffekten.

4 Fördern Sie die Motivation der Mitarbeiter
Die Ergebnisse der anfänglich erwähnten Umfrage zeigen, dass die Mehrheit der Mitarbeiter eine hohe Motivation hat, die digitale Transformation des Unternehmens zu unterstützen. Finden Sie bspw. auf den Digital Change Days oder über die Austauschplattformen heraus, wie diese Mitgestaltung in Ihrem Unternehmen konkret aussehen kann oder wo es Bedarf an Optimierung von Prozessen und Werkzeugen gibt.

5 Offene Kommunikation über “Scheitern” und Lessons Learned aufbauen
Fehler und Scheitern gehören zum Lernen einer Organisation dazu. Gerade bei der Umsetzung von ersten Digitalisierungsprojekten werden viele Fehler passieren. Will eine Organisation die Digitalisierung erlernen, so muss diese eine ganze Reihe an Fehlern begehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Die Vertrauens- und Kreativkultur schafft einen Rahmen, um über Probleme und Herausforderung auf Augenhöhe zu diskutieren und nach passenden Lösungen zu suchen. Der beste Weg dahin ist das offene Ansprechen von „Learnings“ seitens der Führungskräfte und ein permanentes Vorleben einer lernenden Führungskultur zur Digitalisierung. Wenn Sie Inspiration für dieses Thema suchen, besuchen Sie öffentliche Formate wie FuckUp Nights, bei denen Unternehmen offen über gescheiterte Projekte sprechen (in Leipzig z. B. unter https://www.fuckupnightsleipzig.de/).


Über das Modell

Das DRP™-Modell entstand 2015 durch André Rauschert (Fraunhofer Institut IVI) und Stephan Preuss (QUANTIC Digital). Die Abkürzung steht für “Digitales Rauschert Preuss-Modell”.

Das Modell und das Arbeitsposter stellen die beiden Experten kostenfrei zur Verfügung. Sie finden den Download unter www.digital-inno.com/drp