DRP™-Modell: Fundamente für die Digitalisierung schaffen (2/5)

QUANTIC-DRPTM-Modell.jpg

Bereits im vorherigen Newsletterartikel haben wir Ihnen das DRP™-Modell und die Dimension “Klarheit auf Führungsebene herstellen” vorgestellt. Das Modell ist aus Marktstudien und der Analyse von über 50 Digitalisierungsprojekten entstanden. Es hilft Ihnen die richtigen Fragen auf dem Weg zur Digitalisierung zu stellen und zeigt dabei konkrete Handlungsvorschläge auf den fünf verschiedenen Ebenen auf. Diese sind: Führung, Fundamente, Mitarbeiter, Umfeld, Agilisierung. Als ergänzendes Werkzeug dazu fungiert die Retrospektive.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Inhalte zur Dimension 2 Fundamente näher bringen.

Digitale Fundamente sind Strukturen und Ressourcen, auf denen Digitalisierung erfolgen kann

Fundamente.png

Um Digitalisierung überhaupt umsetzen zu können, müssen zuvor die Arbeitsfähigkeit hergestellt, die notwendigen Ressourcen bereitgestellt und das Zusammenspiel der beteiligten Abteilungen im Unternehmen geklärt werden. Sonst scheitern Digitalisierungsprojekte aufgrund fehlender Infrastrukturen, Budgtes, geschützer Arbeitsräume oder aufgrund mangelnder Kommunikation zwischen Abteilungen.

In der Studie Energieversorger 4.0 (2017) sind 74% der Führungskräfte und 69% der Mitarbeiter der Meinung, dass die Abteilungen ihre individuellen Rollen für die Digitalisierung des Unternehmens weder geklärt noch kommuniziert haben. Das sorgt bei Digitalisierungsprojekten für Parallelstrukturen, Machtrangeleien unter Abteilungen und geht bis zur Nicht-Information betroffener Abteilungen. Ohne klare Digitalisierungsaufgaben der Abteilungen sind die dringend benötige Kooperation und die erforderliche Geschwindigkeit für digitale Projekte kaum möglich.

Die wichtigsten Anforderungen für Fundamente in der Digitalisierung

  • Rollenklärung der Abteilungen u. a. Position in der zukünftigen Wertschöpfung definieren

  • Dienstleistungsorientierte IT aufbauen

  • Infrastrukturen und Budgets abteilungsübergreifend bereitstellen

  • Digitale Geschäftsbereiche als Schutzzonen der digitalen Unternehmenskultur aufbauen

  • Einsatz moderner Innovationsmethoden etablieren (Digital Innovation Model, Lean Startup, etc.)

  • Ideennavigatoren als Ansprechpartner aufbauen

Wie stelle ich die Arbeitsfähigkeit für die Digitalisierung meines Unternehmens her?

Das Legen von Fundamenten für die Digitalisierung eines Unternehmens geht weit über die Bereitstellung von entsprechenden Ressourcen wie Software hinaus, obwohl dieser Aspekt unter keinen Umständen vernachlässigt werden sollte. Funktionierende Arbeitswerkzeuge, die außerdem einen abteilungsübergreifenden Austausch ermöglichen, bilden dabei eine wichtige Basis.

Doch es geht auch darum, die Arbeitsfähigkeit im Blick auf neue Herausforderungen sicherzustellen. In einer komplexen Umgebung mit hohen Kundenanforderungen, sich schnell ändernden Rahmenbedingungen und neuen Marktbegebenheiten ist ein digitales Innovationsmanagement wesentlich. Ideen können in allen Abteilungen zu jeder Zeit entstehen. Wird eine entsprechende Basis unternehmensweit geschaffen, können Ideen verglichen und bewertbar gemacht werden. Raum für freies Denken und neue Methoden wie Design Thinking können die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens zusätzlich fördern.

Das können Sie tun

1 Klären Sie die Rollen der einzelnen Abteilungen
An der Digitalisierung Ihres Unternehmens müssen alle Abteilungen an einem Strang ziehen. Andernfalls fangen Sie in der Organisation an, die gleichen digitalen Themen an mehreren Stellen umzusetzen. Damit klar ist, welche Abteilung an welcher Themenstellung arbeitet, müssen die jeweiligen Rollen bei der Digitalisierung des Unternehmens geklärt sein. Erfahrungsgemäß muss dazu nicht zwingend eine übergeordnete Unternehmensvision existieren. Meist reicht es aus, die jeweilige Rolle an den Erwartungen des digitalen Kunden auszurichten. Dieses Rollenverständnis muss anschließend unter den Abteilungen kommuniziert werden.

2 Diskutieren Sie die notwendigen Fundamente und Rahmenbedingungen
Setzen Sie sich gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern an einen Tisch und diskutieren Sie über aktuelle Herausforderungen und Probleme hinsichtlich der digitalen Arbeitsfähigkeit. Fokusgruppen bieten sich dabei als eine geeignete Methode an, um in kürzester Zeit verschiede abteilungsübergreifende Sichtweisen auf unterschiedliche Problemstellungen zu erlangen. Mithilfe der Ergebnisse können Sie notwendige und grundlegende Fundamente identifizieren und gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern etablieren.

3 Setzen Sie moderne Innovationsmethoden ein
Die wichtigsten Denkmodelle für Ihr Unternehmen können in Zukunft Design Thinking, User Centered Design und Prototyping sein. Design Thinking beschreibt den Ansatz, mittels sechsstufigem iterativen Prozess und einem interdisziplinärem Team, komplexe Probleme zu verstehen, zu lösen und neue Ideen zu generieren. User Centered Design setzt den Kunden in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses und hat das Ziel, ein hohes Nutzererelbnis (User Experience) zu erreichen. Prototyping ermöglicht es, schnell und mit wenig Risiko Produktideen zu testen und dem Feedback entsprechend anzupassen.

4 Etablieren Sie einen Ideennavigator
Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei, neue Ideen ins Unternehmen einzubringen und gemeinsam umzusetzen. Ein sogenannter Ideennavigator kann dabei helfen, vorhandene Ideen zu sammeln, neue zu entwickeln und letztendlich die Umsetzung zu begleiten. Im nächsten Element des DRP™-Modells “Mitarbeiter integrieren und befähigen” kann dieser Navigator einen wichtigen Baustein für die Mitarbeiter bei der Weiterentwicklung von Ideen und für die Innovationsfähigkeit darstellen.

5 Schaffen Sie Raum, Zeit und Budgets für abteilungsübergreifende Innovationsteams
Weichen Sie starre Grenzen der Abteilungen auf und bilden Sie neue Teams, die sich in Geschwindigkeit und Effizienz gleichen. Stellen sie Ihnen ein Innovationsbudget bereit und ermöglichen Sie zeitliche Freiräume, um geschützt vom Alltagsgeschäft an innovativen Ideen arbeiten zu können. In entsprechenden Räumen wie sogenannten „Future Business Labs“ kann das Innovationsteam mit aktuellen Methoden neue Lösungen und Geschäftsmodelle entwickeln. Unternehmen aus anderen Branchen, wie die Deutsche Bahn machen das bereits erfolgreich vor. Erste Energieversorger, wie z.B. die Pfalzwerke, haben den Nutzen von digitalen und innovativen Teams ebenfalls erkannt und bereits etabliert.


Über das Modell

Das DRP™-Modell entstand 2015 durch André Rauschert (Fraunhofer Institut IVI) und Stephan Preuss (QUANTIC Digital). Die Abkürzung steht für “Digitales Rauschert Preuss-Modell”.

Das Modell und das Arbeitsposter stellen die beiden Experten kostenfrei zur Verfügung. Sie finden den Download unter www.digital-inno.com/drp