DRP™-Modell: Klarheit über Digitalisierung auf Führungsebene herstellen (1/5)

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Aus Marktstudien und der Analyse von über 50 Digitalisierungsprojekten entstand das DRP™-Modell. Es zeigt die Stellschrauben zur Entwicklung einer digital lernenden Organisation auf. Es bietet die einmalige Chance, ideale Justierungen für die tiefgreifenden Veränderungen in Ihrer Wertschöpfungskette der kommenden Jahre zu schaffen. Wie es gelingen kann, den Weg der digitalen Transformation schnell und effizient zu beschreiten, soll Ihnen im Folgenden das DRP™-Modell anhand von konkreten Handlungsvorschlägen aufzeigen. Grundlegend beschreibt das Modell, welche 5 Stellschrauben genutzt und angepasst werden müssen, damit ein Unternehmen sich von innen heraus digital neu erfinden kann. Diese sind: Führung, Fundamente, Mitarbeiter, Umfeld, Agilisierung und als ergänzendes Werkzeug für die Nachjustierung der Stellschrauben der Bereich Retrospektive. In den kommenden Newslettern werden wir Ihnen je eine der Stellschrauben präsentieren.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Dimension 1 Führung vorstellen.

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Digitalisierung ist eine Übersetzungsaufgabe für das Management

Ohne ein klares Verständnis im Management über die Digitalisierung eines Unternehmens, ist dieses für die Digitalisierung nicht führbar. Es entstehen divers aufgesetzte Digitalisierungsprojekte mit unterschiedlichen Ansprüchen und Zielrichtungen. Zudem findet keine konsequente Entwicklung von Know-how und Spezialisten im Unternehmen statt.

In der Studie Energieversorger 4.0 (2017) gaben 41 % der EVU-Führungskräfte und 44 % der Mitarbeiter an, dass die Unternehmensleitung kein einheitliches Verständnis zur Digitalisierung und deren Chancen hat. Der Begriff „Digitalisierung“ beschreibt dabei nicht länger einen technischen Prozess, sondern eine ökonomische, gesellschaftliche und individuelle Änderung der Wahrnehmung und Gestaltung der Welt. Die digitale Vernetzung hat vor allem enorme soziale und ökonomische Auswirkungen sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern.

Die wichtigsten Anforderungen für Digital Leadership

  • Einheitliches Verständnis über Digitalisierung und Digital Leadership schaffen

  • Bedürfnisse des digitalen Kunden verstehen

  • Unternehmenszweck mit digitalen Märkten abgleichen

  • Digitales Zielbild und Roadmap erarbeiten und die Mitarbeiter daran beteiligen

  • Umsetzbarkeit der Organisation für die notwendigen Veränderungen gewährleisten

  • IT-Anforderungen und Schnittstellen mit Abteilungen klären

Alte Denk- und Handlungsmuster auflösen

Eine wesentliche Herausforderung besteht in der steigenden Komplexität von Digitalisierungsprojekten. Auf diese sind die Unternehmen und die Verantwortlichen oft zu wenig vorbereitet. Meist überblicken sie in dem Zusammenhang die notwendigen Change-Anforderungen nicht ausreichend. Ebenso fehlen in immer dynamischer werdenden Projektumgebungen entsprechende Methoden, um Projekte zielorientiert zu Ende zu bringen.

Auf der technischen Seite eröffnen sich zudem immer unüberschaubare, neue Möglichkeiten in den Einsatzgebieten und die technischen Schnittstellen werden mehr. Vermehrt wird hier vom IT-Legobaukasten gesprochen. Das führt dazu, dass ein Projekt schneller als beabsichtigt als eine eierlegende Wollmilchsau definiert wird. Aus verschiedenen Abteilungen und von unterschiedlichen Entscheidern werden Ziele und Standards vorgegeben. Das macht Digitalisierungsprojekte schwer überschaubar, für die Beteiligten nicht mehr greifbar und letztendlich unrealistisch.

Aus den Erfahrungen der IT-Start-ups lassen sich dagegen gute Lösungsmethoden auch für angestammte Unternehmen ableiten. Moderne Methoden – wie Design Thinking, Visualisierung und agile Managementmethoden – können helfen, der Komplexität wieder Herr zu werden. Ein gern genutzter Begriff ist der des “Minimal funktionsfähigen Projektes”. So ein Projekt beschreibt die Minimalanforderungen, um einen Geschäftsprozess digital und für alle Beteiligten nützlich umzusetzen. Während der Umsetzung solcher kleinen Projekte ergeben sich permanent neue Erkenntnisse zum Bedarf, zur Methodik und zur Technologie, die im Anschluss nach dem Projekt bewertet und gezielt umgesetzt werden können.

Das können Sie tun

1 Klären Sie den Begriff Digitalisierung im Management
Betrachten Sie den Begriff “Digitalisierung” als ein leeres Gefäß, das gefüllt werden will. Ohne ein gemeinsames Verständnis im Führungskreis, was die Digitalisierung für ein Unternehmen bedeutet, sind diese digital unführbar. Die einheitliche Definition von Digitalisierung und die daraus resultierenden Veränderungen müssen daher im Führungskreis geklärt und anschließend mit Mitarbeitern transparent diskutiert werden.

2 Lernen Sie den digitalen Kunden kennen
Viele Unternehmen und Führungskräfte kennen ihren digitalen Kunden nicht. Vielleicht ist es zu abstrakt, möglicherweise fehlt die Zeit oder auch das Selbstverständnis. Dabei zeigt sich in der Praxis, dass sich die große Masse an digitalen Kunden bereits mit einfachen und überzeugenden Lösungen zufrieden stellen lassen.

3 Schaffen Sie eine Vision für Ihr Unternehmen nach der digitalen Transformation
Die digitale Transformation wird früher oder später Veränderungen in allen Branchen bewirken. Verschaffen Sie sich ein Bild, welche Rolle Ihr Unternehmen nach der erfolgreichen digitalen Transformation einnehmen kann. Daraus können Sie eine dafür notwendige Agenda ableiten.

4 Entwickeln Sie Ihre individuelle Strategie zur Gestaltung der Übergangsphase
Entwickeln Sie die wichtigsten Eckpfeiler, die entscheidend für die Digitale Transformation Ihres Unternehmens sind. Vielen Unternehmen hilft hier das Bild der Ambidextrie (Beidhändigkeit) oder das Bild der “Digitalisierung der zwei Geschwindigkeiten” weiter, um diese Eckpfeiler strategisch einzuordnen. Mit der Bildung einer abteilungsübergreifenden digitalen Taskforce stellen Sie sicher, dass die Umsetzung der entwickelten Roadmap ständig im Fokus ist.

5 Ermöglichen Sie einen regelmäßigen Austausch mit der IT
Beziehen Sie die IT stets in Überlegungen zur Digitalisierung mit ein. Die IT wird Ihnen berichten, welche technischen Möglichkeiten Sie haben. Gemeinsam können Sie außerdem überlegen, wie die IT näher an die anderen Abteilungen gebunden wird und welche Serviceleistungen die IT-Abteilung als Wegbereiter auf dem Weg der digitalen Transformation erbringen kann.


Über das Modell

Das DRP™-Modell entstand 2015 durch André Rauschert (Fraunhofer Institut IVI) und Stephan Preuss (QUANTIC Digital). Die Abkürzung steht für “Digitales Rauschert Preuss-Modell”.

Das Modell und das Arbeitsposter stellen die beiden Experten kostenfrei zur Verfügung. Sie finden den Download unter www.digital-inno.com/drp